Velbert, die Stadt der Schlösser und Beschläge

Niederbergische Bahn


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Zwei wichtige Eisenbahnverbindungen prägten einst das Bild der drei Stadtteile Velberts. Die Prinz-Wilhelm-Eisenbahn war die erste Eisenbahntrasse Deutschlands. Sie wurde in den Anfangsjahren noch mit Pferdefuhrwerken befahren und verlief von Wuppertal über die damals eigenständigen Städte Neviges und Langenberg bis nach Essen-Kupferdreh, Überruhr und weiter nach Steele. Die zweite war die Niederbergische Bahn, die seit 1914 Velbert mit Tönisheide und Wülfrath und einige Jahre später auch mit Heiligenhaus verband. In den 1990er Jahren wurde die Niederbergische Bahnlinie stillgelegt. Inzwischen sind Gleise und Schwellen verschwunden, im Frühjahr 2009 erfolgte der Rückbau der Niederbergischen Bahn.
Von der Dieselstraße in Heiligenhaus aus geht der Blick in Richtung Velbert. Die Trasse ist noch gut zu erkennen, auch die Gleise liegen noch, aber über die Jahre ist alles zugewachsen. Niederbergische Bahn 2


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An der Stadtgrenze verläuft der Bahndamm direkt am Hof Gellenkothen vorbei. Ohne den Zugverkehr ist dieser Hof ganz abgelegen, idyllisch und ruhig liegt er in der Landschaft.
Von der Brücke Nordenscheid aus blickt man auf eine intakte Trasse mit einem Gleisstrang bis zum Horizont. Die gesamte Strecke ist einspurig, nur an einzelnen Stellen gibt es Ausweichgleise. Man kann sich kaum vorstellen, dass hier schon seit vielen Jahren kein Zug mehr gefahren ist. Eine Wiederaufnahme des Zugverkehrs wäre hier durchaus denkbar. Niederbergische Bahn 4


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Von der Nordenscheider Brücke aus hat man diesen schönen Blick auf Höfgen, wo genau die Stadtgrenze zwischen Heiligenhaus und Velbert verläuft.
Wenige hundert Meter weiter steht zwischen Höfgen und Gründendal am Streckenkilometer 16,674 dieses Transformatorhäuschen, das sich über die Jahre kaum verändert hat. Niederbergische Bahn 6


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Auch der Bahnübergang an der Straße "Zum Grünendal" ist erhalten - zumindest die beiden Andreaskreuze mit der Ampelanlage stehen noch da wie zu Zeiten des Bahnbetriebes. Die Gleise wurden allerdings vor einigen Jahren im Bereich der Fahrbahn überbaut.
Direkt hinter dem Bahnübergang in Richtung "Industriegebiet West" ist das gesamte Gleisbett noch in Takt. Die Schienen und Bahnschwellen befinden sich in einem recht guten Zustand. Niederbergische Bahn 8


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Im Jahre 1985 wurde das Teilstück Heiligenhaus-Hetterscheidt - Velbert-Nord der neuen Autobahn A 44 gebaut. Im Bereich des Industriegebietes wurde eine Brücke über die Gleisanlagen errichtet. Seit 1989 führt die Autobahn bis nach Velbert-Langenberg und seit Dezember 2005 gibt es eine direkte Verbindung zur B227 nach Essen-Kupferdreh.
Ein Abstellgleis mit einem Prellbock unter der Autobahnbrücke. Hier endete das Nebengleis für den Entsorgungsbetrieb Heinrich Schmitz in der Uhlandstraße, den Volker Schmitz als Schrotthändler im Jahre 1946 gründete. In der Anfangszeit wurde der Schrott auch per Bahn angeliefert, seit den 1960er Jahren erfolgt die Anlieferung nur noch per LKW. Heute werden hier Abfälle nahezu aller Art umweltgerecht verwertet. Niederbergische Bahn 10


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Eine alte Weiche, die noch per Hand gestellt werden konnte. Sie stellte die Verbindung zwischen der Hauptstrecke und dem Nebengleis der Firma Schmitz her.
Im Bereich der Zusammenführung sind die Gleise noch gut erhalten. Durch die Autobahnbrücke liegt der Bereich weitgehend geschützt vor Witterungseinflüssen. Niederbergische Bahn 12


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Eine weitere Weiche befindet sich wenig weiter östlich im Bereich des Industriegebietes. Das Nebengleis diente gleichzeitig als Ausweichstelle für die einspurige Strecke. Die Weiche ist allerdings schon stark verrostet und müsste erneuert werden, falls man den Betrieb auf dieser Strecke eines Tages wieder aufnehmen sollte. In den Jahren nach der Stilllegung kamen immer wieder Gerüchte über eine erneute Betriebsaufnahme auf. In den Jahren 2005 und 2006 folgte sogar eine Machbarkeitsstudie, das Ergebnis ist aber noch offen.
Im weiteren Verlauf der Strecke in Richtung Velbert-Mitte verschwinden die Gleise im Dickicht, der Zugang ist hier praktisch nicht mehr möglich. Niederbergische Bahn 14


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Im ehemaligen Bahnhof "Velbert-West" befindet sich heute am Ende der Ernst-Moritz-Arndt-Straße die Gaststätte "Zur Dampflok". Einige Andenken wie Schilder und eine nachgebaute Dampflok erinnern noch an die Vorgeschichte als Bahnhof. Auch einige Speisen lassen noch an die Zeit der Dampfloks zurückdenken.
Der Blick von der Jahnstraße auf die Bahntrasse dicht östlich des ehemaligen Bahnhofs Velbert-West. In den 1950er Jahren fuhren hier noch regelmäßig Personenzüge, bis in die 1960er Jahre überwiegend Güterzüge und der Personenverkehr wurde stark reduziert. Bis in die Mitte der 1980er Jahre wurden immer wieder Sonderfahrten angesetzt, aber die Fahrten wurden immer seltener. Rechts erkennt man die Lärmschutzwand der Autobahn A44. Niederbergische Bahn 16


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Der Blick von der Jahnstraße auf die Trasse entlang der Wagnerstraße. Hier ist die Strecke teilweise schon wieder zugewachsen.
Kurz vor der Brücke Grünheide ist von den Gleisen fast nichts mehr zu sehen. Im Laufe der Jahre sind umgestürzte Bäume auf die Strecke gefallen. Niederbergische Bahn 18


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Ab Grünheide folgt ein mehrere hundert Meter langer, völlig zugewachsener Abschnitt zwischen dem Waldfriedhof und der Brucknerstraße.
Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Velberts ist das Eulenbachviadukt. Es ist im Volksmund allgemein als "Saubrücke" bekannt, die das Rinderbachtal überspannt. Zwischen Saubrücke und Herminghauspark ist der Bach auch als Eulenbach bekannt. Früher sollen hier des öfteren Eulen zu hören gewesen sein. Daher heißt die Straße am Hermingshauspark noch heute Uelenbeek (Eulenbach). Unterhalb der Saubrücke erfolgten am Rinderbach seit dem März 2005 umfangreiche Baumaßnahmen. Niederbergische Bahn 20


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Unter anderem wurde ein Teil des Rinderbaches wieder hergestellt. Der Rinderbach entspringt in der Velberter Innenstadt und fließt über Birth bis nach Heiligenhaus-Hetterscheidt, wo er als Mühlenbach im Abtskücher Teich aufgestaut wird. Die Baumaßnahmen dauerten bis in den Sommer 2007 an und kosteten insgesamt etwa 6,3 Mio. Euro. Darunter fiel die dingend nötige Sanierung des Regenüberlaufbeckens unterhalb der Saubrücke mit einem Fassungsvermögen von etwa 8.000 Kubikmetern. Ein neues, ca. 3,5 Kilometer langes Abwassersystem wurde in 15 Metern Tiefe verlegt und soll so den Wasserfluss durch den Rinderbach und die Hochwassergefahr verringern. Im Zuge der Sanierung wurde der Rinderbach durch den Bergisch-Rheinischen Wasserverband auf einer Strecke von 285 Metern renaturiert. Traurige Geschichte machte der Rinderbach, als am 20. Juni 1990 vier Kinder durch eine Flutwelle nach einem Unwetter ertranken.
Die Bahnstrecke von Velbert-Tönisheide bis nach Heiligenhaus wurde erst ab 1910 geplant, im Juli 1913 begann der komplizierte Bau der Strecke und schon kurz vor Kriegsausbruch im folgenden Jahr war die Strecke vom Velberter Hauptbahnhof bis nach Dalbecksbaum mit dem beeindruckenden Eulenbachviadukt fertiggestellt. Niederbergische Bahn 22


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Der Blick auf die Gleise des Eulenbachviaduktes. Selbst auf der Brücke wachsen inzwischen Gräser und Büsche, da die Strecke seit den 1990er Jahren nicht mehr gewartet wird.
Vor einigen Jahren wurden an beiden Seiten der Saubrücke Absperrgitter installiert. In früheren Jahren hatten sich einige Menschen von der Brücke zu Tode gestürzt. Niederbergische Bahn 24


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Von der Bergischen Straße aus bietet sich im Winter dieser Blick auf das beeindruckende Viadukt der Saubrücke. Im Sommerhalbjahr ist von der Brücke kaum etwas zu erkennen.
Direkt östlich schließt sich an das Eulenbachviadukt die Brücke über die Von-Böttinger-Straße an. Henry Theodor von Böttinger (1848 - 1920) war Ehrenbürger der Stadt Velbert. Er setzte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts für einen Eisenbahnanschluss für die Stadt Velbert ein. Niederbergische Bahn 26


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Zwischen der Saubrücke und der Friedrich-Ebert-Straße verlaufen die Gleise auf einem Damm zwischen Bergische Straße und Von-Böttinger-Straße.
Nach Überquerung der Friedrich-Ebert-Straße überspannen weitere Viadukte Einfahrten zu einigen Velberter Unternehmen, darunter die Firma Fingscheidt, einem wichtigen Zulieferer für die Automobilindustrie. Niederbergische Bahn 28


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Eine weitere Brücke über eine Hofeinfahrt an der Bismarckstraße.
Im Bereich der Schulstraße ist die Strecke wieder weitgehend zugewachsen, die Gleise und alle weitere Anlagen sind aber noch vollständig vorhanden. Niederbergische Bahn 30


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Zwischen Schwanenstraße und Hefeler Straße ist die Bahnstrecke heute entlang der Bismarckstraße weitgehend unbeachtet. In einer recht engen Kurve biegt die Strecke nach Südosten ab.
Der Blick von der Brücke der Hefeler Straße auf den Verlauf der Strecke in Richtung Velbert-Hauptbahnhof. Niederbergische Bahn 32


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Mit einem weiteren Viadukt überquert die Bahnstrecke die Bahnhofstraße, an der früher einige große Industriebetriebe angesiedelt waren. Die meisten Betriebe wurden allerdings mit der Zeit aus dem Innenstadtbereich heraus u.a. nach Röbbeck verlegt.
Ein weiterer Blick auf das Viadukt über der Bahnhofstraße. Niederbergische Bahn 34


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Der ehemalige Velberter Hauptbahnhof an der Güterstraße. Er wurde im Zuge des Neubaus der Bahnstrecke in den Jahren 1913/14 als Ostbahnhof erbaut und wurde später zum Hauptbahnhof umbenannt. Mit Stilllegung der Bahnstrecke wurde das Gebäude nicht mehr genutzt. Am 23. August 2002 wurde hier das Restaurant "Brauhaus" eröffnet.
Direkt hinter dem Bahnhof ist die Strecke mit Bäumen und Büschen überwuchert. Niederbergische Bahn 36


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Zwischen dem heutigen Baumarkt und weiteren Industrieunternehmen fällt die Strecke heute kaum noch auf. Erst bei genauerem Hinsehen werden die Gleisanlagen sichtbar.
Kurz vor der Langenberger Straße wurde ein Abschnitt der Bahnstrecke überbaut und zu einer Firmenzufahrt umgewandelt. Für eine Wiederinbetriebnahme müsste diese Zufahrt entfernt werden. Niederbergische Bahn 38


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Zwischen vom-Bruck-Straße und Sieperstraße taucht die Bahnstrecke wieder auf - wenn auch sehr zugewachsen.
Diese Unterführung der Bahnstrecke ist in Velbert kaum bekannt: Die Sieperstraße mündet direkt dahinter in die vom-Bruck-Straße, die danach ins Birkental führt. Niederbergische Bahn 40


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Von der Sieperstraße aus biegt der Streckenverlauf mehr und mehr nach Süden ein. An der Kläranlage vorbei ist der Bahndamm noch komplett vorhanden und die Anlagen erscheinen betriebsbereit.
Am Schnappstüber ist die Trasse noch gut erhalten. Niederbergische Bahn 42


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Im weiteren Verlauf in Richtung Nevigeser Straße verschwindet die Bahnstrecke wieder im Dickicht.
In der Nevigeser Straße liegen noch die alten Gleise, die bis heute noch intakt sind. Der Bahnübergang wurde aber in den 1990er Jahren entfernt. Niederbergische Bahn 44


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Am Kilometerpunkt 11,102 steht noch dieses Häuschen, direkt neben der Nevigeser Straße.
Neben dem ehemaligen Bahnübergang befindet sich ein aus dem 18. Jahrhundert stammendes Haus. Die Gaststätte "Am Schlagbaum" erinnert daran, dass hier früher Zoll von den durchfahrenden Wagen auf der Handelsstraße von Wuppertal über Velbert und Heiligenhaus in Richtung Holland kassiert wurde. Niederbergische Bahn 46


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In einer leichten Kurve verliefen die Gleise weiter nach Süden in Richtung Tönisheide.
Inzwischen sind Gleise und Schwellen verschwunden, im Frühjahr 2009 erfolgte der Rückbau der Niederbergischen Bahn. Bahnrueckbau



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